Stadt der Zukunft – Zukunft der Stadt

Beitrag im Amtsblatt vom 19.02.2020

      

von Katharina Staiger und Dr. Bernd Murschel

Wir werden weniger werden! Die aktuellen Zahlen der Statistiker zeigen, das seit Jahren anhaltende Bevölkerungswachstum hat seinen Zenit erreicht. Die Gesellschaft wird älter, die zuletzt ansteigenden Geburtenraten werden abflachen. Die seit 2015 starke Zuwanderung hat merklich nachgelassen. Erstmals ist laut amtlicher Statistik auch in Leonberg eine leicht rückläufige Bevölkerungszahl festzustellen.

Auf die zu erwartenden Veränderungen wollen wir Antworten geben und schon heute gezielte kommunalpolitische Entscheidungen treffen. Eine lebendige Stadt mit hoher Lebensqualität, die Kinder, Familien und ältere Mitmenschen gleichwohl im Focus hat. Das ist unser grünes Leitbild. Mobilität wird in der Stadt der Zukunft nicht mehr nur das private Fahrzeug sein. Wir brauchen mehr attraktive Fußwegebeziehungen, bessere und sichere Radwege und einen günstigen, gut vertakteten Öffentlichen Personennahverkehr. Neben der E-Mobilität wird das Thema autonomes Fahren und shuttle-Bus an Bedeutung zunehmen. Leonberg wird in Zukunft noch mehr als heute in Konkurrenz zu anderen Städten und Gemeinden im Verdichtungsraum Stuttgart stehen. Wir wollen die Stadt für Menschen attraktiv halten, um hier gerne zu leben, um hier zu arbeiten und Kultur und Freizeit zu genießen. Die Weichen für diese Aufgaben sind schon gestellt. Wir werden die Fortschreibung des Flächennutzungsplanes in den nächsten Monaten und Jahren forcieren. Wo und wie soll gebaut werden, welches sind die Entwicklungsachsen, welche Grünvernetzungszonen sollen frische Luft und Freiräume garantieren?
Unsere Unterstützung finden die neuen Baugebiete Jahnstraße und Berliner Straße, das Keimareal in Warmbronn, zudem das Gewerbegebiet Bosch.

Bezahlbarer Wohnraum ist durch das Bevölkerungswachstum der vergangenen Jahre und den gestiegenen Komfortwunsch zur Mangelware geworden. Daraus kann sich ein sozialer Sprengsatz entwickeln, wenn sich nur noch die Gutbetuchten Wohnraum leisten können. Bauen, bauen, bauen, heißt deshalb die gleichlautende Antwort landauf und landab. Und es wird gebaut, auch in Leonberg, nur meist das Falsche, wie Stadtentwickler häufig feststellen. Statt bezahlbaren Wohnraums entstehen flächenverbrauchende Mehrfamilienhäuser im Außenbereich oder hochverdichteter Geschosswohnungsbau in Form von weißen Klötzen mit Fenstern. Wir wollen für Leonberg mehr Wohn- und Lebensqualität beim Bauen realisieren. Leben in Quartiere, mit allen Funktionen, die dazu gehören, ist zukunftsfähig. Wir unterstützen daher auch den Neubau des Kreissparkassenareals. Hier kann in unmittelbarer Nähe zur historischen Altstadt ein neues Wohnquartier zusammen mit dem Neubau der Kreissparkassendirektion realisiert werden. Wir haben aus städtebaulichen Gründen und der Notwendigkeit für eine gute Durchlüftung des Engpasses Grabenstraße eine 4-geschossige Bebauung vorgeschlagen. Eine Zweckbindung für 25% vergünstigten Wohnraum begrüßen wir.

Für das Neubaugebiet Postareal wollen wir eine grundsätzliche Neuüberlegung. Der Siegerentwurf des Investors Strabag ist eine Lösung aus dem letzten Jahrzehnt. Orientiert an Profit und maximaler Flächenausnutzung. Vom ursprünglichen Gedanken eines Brückenschlags zwischen der historischen Altstadt und der neuen Stadtmitte ist nicht mehr viel geblieben. Stattdessen würde diese Realisierung den Charakter des hochverdichteten Layher-Areals einfach fortsetzen, die Spielräume für eine zukünftige nachhaltige Entwicklung auf Null setzen und das Verkehrsproblem noch verdichten.
Das Postareal muss locker gestaltet und der alte Baumbestand weitgehend erhalten bleiben. Die verkehrliche Erschließung und Belieferung des Einzelhandels bedarf einer Optimierung.

 

Was wir fordern, ist eine Debatte dazu, wohl wissend, dass wir dies alles nicht zum Nulltarif bekommen können. Aber es lohnt sich darüber nachzudenken, wie die Stadt der Zukunft – die Zukunft der Stadt aussehen soll.

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