Die Berichte über eine mögliche vollständige Aufgabe der stationären Versorgung am Krankenhaus Leonberg sind alarmierend.
Für uns Grüne Leonberg ist klar: Leonberg und die gesamte Region des Altkreises brauchen auch künftig eine leistungsfähige wohnortnahe stationäre Gesundheitsversorgung. Dafür setzen wir uns seit Jahren ein – und daran wird sich nichts ändern.
Nach Informationen der LKZ wird im Landkreis inzwischen ein Szenario diskutiert, nach dem die Zahl der stationären Betten in Leonberg ab 2028 auf null sinken und am Standort lediglich eine ambulante Versorgung verbleiben könnte.
Eine derart weitreichende Entscheidung über die medizinische Daseinsvorsorge für Leonberg und sein großes Einzugsgebiet darf nicht hinter verschlossenen Türen vorgeprägt werden. Landkreis und Klinikverbund Südwest müssen offenlegen, welche Szenarien geprüft werden, auf welchen medizinischen und wirtschaftlichen Annahmen sie beruhen und welche Folgen sie für die Gesundheits- und Notfallversorgung im nördlichen Landkreis und darüber hinaus hätten.
Unsere Haltung ist seit Jahren eindeutig
Unser Einsatz für das Leonberger Krankenhaus ist keine neue Position als Reaktion auf die aktuelle Berichterstattung, wie teilweise von der Lokalpresse behauptet wird.
Bereits in unserem Programm zur Kommunalwahl 2014 haben wir das Leonberger Krankenhaus als Zentrum einer „zukunftsfähigen wohnortnahen und qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung“ bezeichnet. In den folgenden Jahren haben wir uns wiederholt für eine breit aufgestellte Grundversorgung, weitere Investitionen in den Standort und gegen ein „Krankenhaussterben auf Raten“ ausgesprochen.
Auch Chefarztstrukturen, Unfallchirurgie, Geburtshilfe und der Rettungshubschrauber Christoph 41 gehörten und gehören für uns zu einer tragfähigen medizinischen Versorgung. Gleichzeitig haben wir die Entwicklung eines Medizincampus am Standort unterstützt.
„Der Bedarf ist ja auch da“
Auch die Grüne Kreisrätin Angie Weber-Streibl, stellvertretendes Mitglied im Ältestenrat, hat sich über viele Jahre für den Erhalt des Standorts eingesetzt. Sie verweist auf die schwierige Finanzlage von Landkreis und Kommunen sowie die erheblichen Belastungen durch die neue Flugfeldklinik in Böblingen. Zugleich warnt sie vor den Folgen einer Schließung:
„Ein Aus des Leonberger Krankenhauses würde die ohnehin schon angespannte Situation im Bereich der Haus- und Facharztversorgung noch zusätzlich verschlimmern.“
Das Einzugsgebiet des Krankenhauses reicht weit über Leonberg hinaus und umfasst große Teile des früheren Altkreises. Für Weber-Streibl ist deshalb auch entscheidend, ob Bund und Land künftig neue Fördermöglichkeiten für die Transformation von Krankenhausstandorten schaffen.
Was ist aus den bisherigen Zusagen geworden?
Die aktuellen Überlegungen stehen in deutlichem Kontrast zu Aussagen, die noch vor kurzer Zeit getroffen wurden.
Noch im Oktober 2025 erklärte der Klinikverbund Südwest ausdrücklich: „Leonberg bleibt starker Grund- und Regelversorger.“ Die Medizinkonzeption 2030 habe weiterhin Bestand; angekündigt wurden unter anderem Investitionen in Geriatrie, Innere Medizin und Zentrale Notaufnahme.
Erst im Mai dieses Jahres haben Landkreis und Stadt zudem die Entwicklung des Fockental-Areals rund um das Krankenhaus vorangetrieben. Dort soll ein Campus mit den Schwerpunkten Gesundheit, Bildung und Wohnen entstehen.
Wenige Monate später steht nun offenbar sogar ein Szenario ohne ein einziges stationäres Bett im Raum.
Das wirft Fragen auf: Was hat sich innerhalb weniger Monate verändert? Und welche medizinische Funktion soll ein Gesundheitscampus erfüllen, wenn die stationäre Versorgung vollständig verschwindet?
Ambulante Angebote und Arztpraxen können eine wichtige Ergänzung sein. Sie ersetzen aber keine stationäre Grundversorgung und keine leistungsfähige Notfallstruktur.
Salamitaktik muss beendet werden
Der Grüne Fraktionsvorsitzende Bernd Murschel verweist darauf, dass dem Standort über Jahre eine Zukunft als Krankenhaus zugesichert worden sei. Die tatsächliche Entwicklung bewertet er deutlich kritischer:
„In der Realität hat eine Salamitaktik das Gegenteil ergeben. Schritt für Schritt wurde das Leonberger Krankenhaus demontiert.“
Als jüngstes Beispiel nennt er die Schließung des hebammengeführten Kreißsaals im Frühjahr. Mit Blick auf den demografischen Wandel ergänzt Murschel:
„Eine alternde Gesellschaft braucht nicht weniger Gesundheitsleistung, sondern qualifizierte und effiziente Angebote, wie sie auch das Leonberger Krankenhaus bieten sollte.“
Auch Johannes Müller, Sprecher des Ortsverbands der Grünen in Leonberg, sieht in der aktuellen Diskussion eine Entwicklung, die sich bereits beim Streit um Christoph 41 abgezeichnet habe:
„Schon die Diskussion um den Wegzug von Christoph 41 hat gezeigt, dass die Unterstützung für den Gesundheitsstandort Leonberg nicht überall so groß ist, wie wir uns das wünschen würden.
Für uns war es damals nicht das erste, aber ein deutliches Warnsignal dafür, welchen Stellenwert das Krankenhaus Leonberg in politischen Abwägungen tatsächlich hat. Umso wichtiger ist es jetzt, deutlich zu machen: Wir dürfen nicht zulassen, dass mit dem Krankenhaus der nächste zentrale Baustein unserer medizinischen Versorgung verloren geht.“
Christoph 41 ist seit 40 Jahren am Leonberger Krankenhaus stationiert. Gegen die angekündigte Verlegung des Rettungshubschraubers hatte sich in Leonberg und der Region breiter Widerstand formiert. Die Grünen Leonberg hatten bereits damals darauf hingewiesen, dass der Hubschrauber nicht nur für die Luftrettung, sondern auch für die Bedeutung des gesamten Gesundheitsstandorts eine wichtige Rolle spielt.
Unsere Forderung
Das Leonberger Krankenhaus muss mindestens als Haus der Grundversorgung mit einer Notaufnahme und einer bedarfsgerechten Zahl stationärer Betten erhalten bleiben. Ein rein ambulantes Angebot reicht für Leonberg und das große Einzugsgebiet des Altkreises nicht aus.
Bevor unumkehrbare Entscheidungen getroffen werden, müssen alle Alternativen geprüft werden. Dazu gehört insbesondere das von der Stadt Leonberg beauftragte unabhängige Gutachten. Auch der angekündigte Runde Tisch muss echte Beteiligung ermöglichen und Beschäftigte, Ärzteschaft, Rettungsdienste, Stadt, Umlandkommunen und weitere Betroffene einbeziehen.
Solange keine endgültige Entscheidung gefallen ist, setzen wir uns für den Erhalt einer stationären Grund- und Notfallversorgung in Leonberg ein. Nach Jahren der schrittweisen Schwächung braucht der Standort und seine Mitarbeitenden jetzt vor allem eines: eine verlässliche Zukunftsperspektive.